Elstern-Schach.

Heiß und trocken war es, und da wird beim Plakate kleben der verkleckerte Kleister schnell zu Pudding. Von dem schneiden sich die Ameisen dann eine Scheibe ab.

Hinten raus über den Höfen gibt es Elstern-Schach. Eine neue Runde beginnt, sobald die Schwarz-Weißen sich blicken lassen. Große Aufregung. Auf jedem Schornstein sitzt eine Amsel und zetert. Die Elstern spazieren inzwischen herum, picken hier, stochern dort, nehmen ein kurzes Bad in der Regenrinne und verbreiten die Botschaft ‘Was, wir? Anderer Vögel Brut fressen? Wir doch nicht!’ Irgendwann verlieren die Amseln dann an Schwung, außerdem warten hungrige Schnäbel. Eine nach der anderen fliegt ihr Nest an – und die Elstern haben diese Runde gewonnen.
Es sei denn, die Spatzen mischen sich ein. Inzwischen wieder in voller Truppstärke von einem guten Dutzend, können sie es sich leisten, drei, vier Mann zum Elstern-Nerven abzustellen. Die sitzen dann knapp außer Reichweite der Schnäbel der Großen und schimpfen fröhlich. Das können sie locker das eine oder andere Stündchen durchhalten, besonders weil regelmäßig Ablösung kommt. Irgendwann werfen die Elstern dann genervt das Handtuch.
Und wehe, die Elstern haben es ernsthaft auf die Brut der Spatzen abgesehen. Dann rückt der ganze Trupp an und fliegt Luftangriffe: von hinten oben, mit kräftigem Federnrupfen und dem einen oder anderen beherzten Schnabelhieb.

Abends nach Sonnenuntergang ist wieder alles anders. Stille, kein Verkehr, keine Arbeitsgeräusche, dafür ein Amsel-Solokonzert und die große Mauersegler-Flugschau. Wenn es ganz dunkel ist und die Lampen Lichtkreise auf die Blätter der Bäume werfen, sind Mauersegler und Amseln plötzlich verschwunden. Zehn Minuten ist alles ruhig, dann tauchen die Fledermäuse auf. Kleiner Abendsegler. Zwei von ihnen fliegen unseren Hof ab und bis auf Armeslänge an mich heran.

© P. Warmann