Hundert Jahre.

Letztlich hat meine Stiefmutter, die in diesem Monat 80 Jahre alt werden wird, die Lizenz für ihr Antivirusprogramm verlängert, und weil eine Verlängerung um gleich zwei Jahre deutlich billiger kam, hat sie dieses Angebot genutzt. Hinterher allerdings fragte sie mich skeptisch, ob das wohl eine gute Idee gewesen sei – schließlich wäre es bei ihrem Alter gar nicht sicher, ob sie das Programm so lange noch nutzen könne... Das nennt man wohl knallhart realistisch. Oder auch cool. Genau wie ihre trockene Bemerkung nach einem Sturz mit schmerzhafter Rippenprellung, sie wäre in den letzten zwei Jahren dreimal schwer gestürzt, hätte sich jedoch nie etwas gebrochen – „Osteoporose habe ich also offensichtlich nicht“.
Die coolsten Bemerkungen kommen im Moment aber sowieso von den ganz alten Leuten. Was mich nicht wundert: Die letzten hundert Jahre zu überleben, oder auch nur einen größeren Teil davon, schafften nur Menschen mit klarem Verstand – und der entsprechenden Portion praktischer Kaltblütigkeit.

Die letzten hundert Jahre ... Gehen wir zurück in das Geburtsjahr meiner Großmutter: 1910. Wenn wir glauben, heute in einer Zeit zu leben, wo sich alles rasend schnell verändert, dann sollten wir mal einen Blick in jenes Jahr werfen: Die Welt war zu einem Dorf geworden. Dampfschiffe überquerten den Atlantik in Tagen, und Expresszüge fuhren auf Kontinente umspannenden Schienennetzen, wo eine Generation zuvor noch Pferdekutschen gerumpelt waren. Und der Information Overkill ging in seine erste Runde: Wo Boten oder schriftliche Berichte eben noch Wochen oder Monate gebraucht hatten, da erreichten Nachrichten aus den entferntesten Winkeln der Erde die Menschen in Deutschland innerhalb eines Tages. Die Telegrafie machte es möglich, und man musste nur auf die Straße gehen und sich eine Zeitung kaufen (die damals noch dreimal am Tag erschienen) und erfuhr alles über die Börsenkurse in New York, den neusten Staatsstreich in Südamerika oder die Probleme der britischen Kolonialverwaltung in Singapur.
Die Welt war eine andere geworden: Gasbeleuchtung! Verbrennungs- und Elektromotoren! Riesige gepanzerte Kriegsschiffe im Wasser und lenkbare Luftschiffe am Himmel! Bewegte Bilder auf kinematographischem Film! Drahtlose Telegraphie! Jeder Tag brachte eine neue technische Erfindung oder eine wissenschaftliche Entdeckung, und am Horizont die Verheißung noch weiterer technischer Wunder: Elektrischer Strom in jedem Haushalt! Tonfilm! Aufzeichnung von Klängen auf Magnettonbändern! Flugzeuge, die Menschen um die ganze Welt tragen! Die Möglichkeiten schienen unbegrenzt.
Aber natürlich waren sie es nicht, und als im April 1912 eines dieser Wunder der Technik im Nordatlantik einen Eisberg rammte – und der Eisberg das Duell gewann –, bekam die Begeisterung einen erheblichen Dämpfer. Zwei Jahre später fegte jener Krieg, den man ‘den Weltkrieg’ nannte, weil man noch nicht wusste, dass man sie demnächst würde durchnummerieren müssen, auch noch die Reste davon zusammen.

Spulen wir zwanzig Jahre vor. Wir schreiben das Jahr 1930, meine Großmutter hat ihren ersten Weltkrieg überlebt, ist verheiratet und hat eine Tochter. Die Welt ist noch einmal gründlich eine andere geworden: All die Verheißungen der Technik haben sich erfüllt. Gehrock, Zylinder und Korsett sind auf den Müllhaufen der Modegeschichte gewandert, Automobile bevölkern die Straßen und teilen sich die Städte mit elektrische Straßenbahnen, Aufzüge tragen die Menschen durch vielstöckige Gebäude, und die moderne Hausfrau kocht sparsam und sauber mit Gas und lässt sich die Arbeit von elektrischen Haushaltsgeräten abnehmen: Bügeleisen in jedem Haushalt und die Verheißung von Staubsaugern und vielleicht sogar, eines Tages, elektrischen Waschmaschinen.
Der Information Overkill bekommt sein Update auf V 2.0: Bilder, Bilder überall, Fotografien in illustrierten Zeitschriften, aber vor allem die allwöchentliche Bilderflut, wenn im Kino vor dem Hauptfilm die Wochenschau läuft, wo man sie dann alle sehen kann, die ausländischen Staatsmänner, den Mann, der als erster den Atlantik non-stop überquerte, und den höchsten Baum der Welt.
Aber vor allem eine Erfindung ist es, die die Informationsflut in jede Wohnung trägt: Plötzlich ist es möglich, gleich, sofort, jede brandneue Nachricht im eigenen Heim zu empfangen, unverzüglich, nicht nur am gleichen Tag, nein, in Minuten. Und noch mehr: Musik, jederzeit, jeder Art, zu hause, und Sprachkurse, und die Wasserstandsmeldungen, und Reisetipps, und... Und das alles immer, ohne Pause, und völlig umsonst, wenn man sich für nicht wirklich viel Geld das Gerät angeschafft hat, das dies möglich macht. Es heißt Rundfunkempfänger.

Doch natürlich kommen nicht alle diese modernen Errungenschaften sofort überall an. Als mein Großvater Ende der zwanziger Jahre von der kleinen Nordseeinsel, auf der er aufgewachsen war, in die große Stadt kam, erfuhr er erst von meiner Großmutter, dass es so etwas wie Unterwäsche gibt. Derartiges war ihm bis dahin noch nicht begegnet.
Aber ansonsten unterschied sich die damalige Welt gar nicht so sehr von unserer heutigen. Was heute Finanzkrise heißt, lief in seiner damaligen Variante unter Börsenkrach / Weltwirtschaftskrise, funktionierte aber genauso: Bankenpleiten, Firmenschließungen, Massenentlassungen. 1930 war mein Großvater arbeitslos.
Das blieb auch in den nächsten Jahren so, als meine Mutter als sein zweites Kind geboren wurde. Geld war knapp, und die Nachbarn blickten mit Unverständnis auf die kleine Familie, weil sie in die Lampe eine Birne (ja, für die Familie ein Zimmer und eine Lampe mit einer Birne) mit 40 Watt statt den üblichen 25 oder 12 schraubte und damit unglaubliche 15 Watt pro Stunde mehr verbrauchte (Himmel, wie muss deren Stromrechnung aussehen!), und das nur, um nach Einbruch der Dunkelheit noch lesen zu können.
Die dreißiger Jahre schritten fort, die Nazis kamen an die Macht, und in den ersten Jahren danach wurde mein Großvater zu einem richtig guten Bibelkenner. Zwar war er als überzeugter Kommunist ein entschiedener Gegner jeder Religion, aber er stand auch oft an vorderster Front, wenn sich mal wieder Rote und Braune eine Straßenschlägerei lieferten, und landete dann für die üblichen ‘erstmal von der Polizei zusammengeschlagen werden und dann drei Tage ohne Haftbefehl’ in einer Arrestzelle (zu einer Anklage kam es nie). Dort gab es dann für die Lektüre nur die Wahl zwischen der Bibel und ‘Mein Kampf’, und da wählte er das doch deutlich spannendere Buch.
Weitere Jahre vergingen, seine älteste Tochter starb, an einer Lungenentzündung, an der man damals eben starb, wenn man zu schwach war, sie zu überleben, denn Penicillin war zwar schon 1928 entdeckt worden, konnte aber immer noch nur in kleinen Mengen hergestellt werden. Etwa um dieselbe Zeit beschlossen die Nazis, wieder aufzurüsten und dabei auch die Kriegsmarine mit Schiffen aller Art, besonders aber den hochmodernen U-Booten, auszustatten. Mein Großvater war Elektroschweißer, und die wurden jetzt gebraucht, da die Stahlrümpfe in dieser hochmodernen Technik gebaut und nicht mehr aus Platten zusammengenietet wurden.
Und so baute mein Großvater, der Kommunist, gegen guten Lohn Kriegsschiffe für die Nazimarine und entwickelte dabei noch eine völlig neue Technik des Über-Kopf-Schweißens. Einige Jahre später tauchte dann ein Ingenieur auf der Werft auf und ließ sich von den Arbeitern alle von ihnen entwickelten Methoden erklären, um sie in dem Standardwerk über das Schweißen zu veröffentlichen, allerdings ohne Nennung der Urheber. Übrigens sollte eine von meinem Großvater in seiner Technik hergestellte besonders knifflige Bug-Schweißnaht eines Schlachtschiffes eine ungewöhnliche Karriere machen. Doch dazu später.
Inzwischen waren die dreißiger Jahre in die Vierziger übergegangen, und wenn der Krieg zuerst Lohn und Brot gebracht hatte, brachte er jetzt Bomben. Meine Großeltern machten sich daran, auch ihren zweiten Weltkrieg zu überleben, was ihnen auch gelang. Zwar hatte ihr inzwischen geborener Sohn das Pech, auf dem Nachhauseweg von der Grundschule nicht nur in einen Bombenangriff zu geraten, sondern auch noch mitten auf einem größeren Platz zu stehen, als dessen Asphalt zu brennen begann, aber ein beherzter Mitmensch trug ihn aus dem Flammenring, und er blieb unverletzt.
Und als eine Bombe das Mietshaus traf, in dessen Dachgeschoss sie wohnten, da explodierte sie glücklicherweise nicht, sondern rasierte nur das halbe Haus weg. So blieben die Bewohner im Keller unverletzt und konnten sogar Teile des Hausrats bergen, sowie die Gewehre, die in der Abseite lagerten für die kommunistische Revolution, die aber anscheinend irgendwie ausgefallen war, warum auch immer. Leider gelang es meiner Großmutter nicht mehr, die Gardinenstange zu bergen, und sie lebte noch jahrelang in der Angst, jemand könnte die darin versteckten Mitgliedsbücher der Roten Hilfe finden (das hätte Verhaftung und vielleicht Tod bedeutet).
Andererseits aber verschaffte dieser Bombenschaden meinem Großvater als besonders kriegswichtigem Arbeiter ein Anrecht auf ein halbes Holzhaus im Grünen, in das die Familie nun ziehen durfte. So verging der Rest dieses Jahrzehnts ohne besondere Vorkommnisse, wenn man davon absieht, dass die Bewohner jener Siedlung in den letzten Tages des Krieges versprengte Soldaten von der Straße holten, ihre Uniformen und Waffen verschwinden ließen und sie mit Zivilkleidung ausstatteten (die gab es reichlich, von gefallenen Väter, Brüdern und Söhnen) und damit verhinderten, dass sie als Deserteure aufgegriffen und erschossen wurden.

Das war aber die letzte Aufregung für eine längere Zeit,und das Überleben wurde wieder deutlich einfacher. Deshalb fassen wir das nächste Jahrzehnt kurz unter ‘Wiederaufbau’ zusammen und spulen vor bis ins Jahr 1960.
Dieses Jahrzehnt wurde dann wieder etwas aufregender. Vor allem erhielt der Information Overkill ein kleines Update auf V 2.5, als der Rundfunk bewegte Bilder bekam – Fernsehen nannte man das. Gesendet wurde vom frühen Nachmittag bis irgendwann abends, und in der sendefreien Zeit wurde das Testbild ausgestrahlt, mit dem der freundliche Rundfunk- und Fernsehtechniker das neu gelieferte Gerät ordentlich einstellen konnte, und er wählte dann auch die Frequenz des örtlichen Fernsehsenders – es gab ja nur ein Programm, und daher konsequenterweise auch keinen Knopf, um das Programm zu wechseln. Das sollte etwas später ein kleines Problem werden, als auch ein zweites Programm ausgestrahlt wurde, aber die meisten Menschen entschieden sich dafür, vorerst beim gewohnten Programm zu bleiben.
Und was tat man mit all der freien Zeit, die man nicht mit Fernsehen verbringen konnte? Zum Beispiel spazierte man auf Sylt am Strand entlang, wobei es sich empfahl, keine weißen Tennisschuhe zu tragen (eigentlich die einzige angemessene Fußbekleidung für Strandspaziergänge), da man sonst ein Vermögen für Turnschuhweißer ausgeben musste (das ist eine Paste aus Schlämmkreide, die wie Schuhcreme benutzt wird, nur eben für weiße Stoffschuhe). Nein, es war besser, barfuß zu gehen, dann konnte man die schwarzen Rohölklumpen, die überall im Sand verborgen waren und in die man unweigerlich trat, am Strandaufgang mit dem dort bereitgestellten Terpentin leicht entfernen. Ein Service für den Kurgast, der nötig wurde, weil Öltanker nach Löschen ihrer Ladung in den Häfen ein Stück auf die Nordsee hinausfuhren und dort ihre Tanks mit Meerwasser spülten. Die Reste trieben dann klumpenweise oder auch als kleinerer Ölteppich in die nächstgelegene Seevogelschutzstätte. Etwas später erfand dann jemand den Begriff ‘Umweltschutz’.
Ansonsten geschah nicht wirklich viel. Die Beatles kamen und gingen, Plattenspieler in jedem Haushalt, der erste Mond wurde von einem Menschen betreten, und als sich die Leute schließlich doch neue Fernseher kauften, fragten sie sich verblüfft, wer um alles in der Welt acht Programmknöpfe brauchen könnte, wo es doch nur (inzwischen) drei Fernsehsender gab? Allerdings: wer nahe der Grenze zu einem anderen Bundesland wohnte, konnte auch dessen Regionalprogramm empfangen, und in einem bestimmten Winkel Schleswig-Holsteins bekam man tatsächlich das dänische und das DDR-Fernsehen.
Ansonsten war lange Zeit Weltkrieg drei angekündigt – neu! Jetzt mit Atomwaffen! –, aber er kam aus unbekannten Gründen nie zur Aufführung. Was nicht heißt, dass wir von diesen interessanten neuen Bomben nicht doch etwas mitbekamen. Erinnern Sie sich noch an jene knifflige Schlachtschiff-Bugnaht, die mein Großvater geschweißt hatte? Die hatte noch einen letzten großen Auftritt, als das Schiff, jetzt Beutegut der USA, in die Lagune des Bikini-Atolls geschafft wurde und dort als Bombenziel herhalten musste. Soweit bekannt hielten sowohl die Naht als auch das restliche Schiff tatsächlich durch, bis die oberirdischen Versuche eingestellt und die übrig gebliebenen Schiffe als Schrott versenkt wurden.
Das ist nun eher eine Anekdote am Rande, aber es gab auch direktere Auswirkungen. Wir erinnern uns, dass nach dem Reaktorbrand in Tschernobyl radioaktive Partikel auch nach Deutschland gelangten, und als die Radioaktivität hier anstieg, gab es (völlig zurecht) große Aufregung, Warnungen vor dem Sammeln belasteter Kräuter und Pilze, und ganze Waggonladungen von Milchpulver mussten vernichtet werden. Zwanzig Jahre vorher dagegen war die radioaktive Belastung um ein Vielfaches höher (die Zahlen, die ich habe, bewegen sich zwischen den Vier- und dem Siebenfachen), und das nicht über einige Tage oder Wochen, sondern die ganzen Jahre von 1960-62 hindurch. Wie das? Nun, das war die Zeit, in der die USA in ihren südwestlichen Wüsten oberirdische Atombombenversuche durchführten, und mit einigen Wochen Verspätung, und deutlich verdünnt, kam der Fallout dann hier bei uns an. Übrigens genau zu der Zeit, als meine Mutter mit mir schwanger ging.
Wie gesagt, damals regte sich niemand darüber auf, ja, es wurde praktisch totgeschwiegen. Warum? Merke: Was die Amerikaner machen, ist gut.

Die restlichen Jahrzehnte können wir im Schnelldurchlauf abhandeln. In den Siebzigern erstarrten die Hippieträume zu knallbuntem Plastik, es gab Kassettenrekorder in jedem Haushalt, und Telefone, das Farbfernsehen kam auf (und die, die sich deswegen einen neuen Fernseher kauften, waren sich einig, dass zwanzig Programmknöpfe nun wirklich reine Angeberei waren), mein Großvater starb, und als die Ölkrise uns aufzeigte, dass die Vorräte an fossilen Brennstoffen nicht ewig reichen würden, da schränkten wir den Autoverkehr drastisch ein und sparten Energie, wo wir nur ... äh, nein, taten wir nicht, seltsamerweise.
Zu dieser Zeit soll es in Deutschland auch Terroristen gegeben haben. Ich kenne niemanden, der einen davon je in der freien Wildbahn gesehen hat, was man aber sah, waren Terroristenfahnder, die einen mit der Maschinenpistole in der Hand auf der Autobahn kontrollierten. Ein guter Bekannter wies bei einer solchen Kontrolle einmal den kontrollierenden Polizisten darauf hin, dass er es a) nicht schätzte, wenn jemand eine entsicherte Maschinenpistole auf seine Kinder richtete, und b) falls er ein echter Terrorist wäre, er dem Beamten schon seine Waffe entrissen und ihn und alle seine Kollegen damit erschossen hätte (der Bekannte war beim Bundesgrenzschutz und koordinierte den Personenschutz für hochrangige Staatsgäste).
In den Achtzigern dann gab es Videorekorder in jedem Haushalt, und CD-Spieler, mit dem Kabelfernsehen erwiesen sich auch zwanzig Programmknöpfe plötzlich als nicht ausreichend, und als der Kernreaktor in Tschernobyl brannte, da erkannten wir endgültig alle die Gefahren der Kernenergie, und schafften alle Kernkraftwerke ... äh, nein, taten wir nicht, seltsamerweise.
Die Neunziger kann man dann in einem Wort zusammenfassen – Wiedervereinigung –, es gab DVD-Spieler in jedem Haushalt, die Kriege kamen wieder näher, aber richtig aufregend wurde es nicht. Im Jahre 1999 starb meine Großmutter kurz vor ihrem 90. Geburtstag, nachdem sie mich bis zum Schluss mit guten Ratschlägen versorgt hatte, wie dem, in meine neue Mütze Bleiband (wie man es in den Saum von Gardinen einzieht, damit sie straff hängen) einzunähen, denn „dann hebt sie bei Sturm nicht so leicht ab, und wenn dir jemand kreuz kommt und du ihm die Mütze ins Gesicht haust, ist es so viel wirksamer“. Ich habe ihren Rat beherzigt.

Und das neue Jahrtausend? Nun ja, wenn man den größeren Teil das alten überlebt hatte, dann gab es am neuen wirklich nicht viel, worüber es sich aufzuregen lohnte: Computer in jedem Haushalt, und Digitalkameras und MP3-Spieler, und Mobiltelefone, und, ja, der Information Overkill bekam endlich das lange erwartete Update auf V 3.0 (Internet). Aber sonst? Es soll wieder Terroristen geben, heißt es, aber weil sie eine viel schlechtere Pressearbeit machen als die der Siebziger, glaubt keiner so wirklich an sie. Und, ach ja, zum 25jährigen Jubiläum von Tschernobyl ging nochmal ein Atomkraftwerk hoch, aber daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen.

Und so bleibt wirklich nur der Schluss: Wer den größeren Teil der letzten hundert Jahre überlebt hat, der wird der Gegenwart und dem, was von der Zukunft bleibt, mit einer gewissen pragmatischen Kaltblütigkeit begegnen können. Wie meine Patentante, inzwischen 84 Jahre alt, die uns in einem Brief von ihrer bevorstehenden Knieoperation und dem einen oder anderen weiteren gesundheitlichen Problem berichtete und dann trocken den Schluss zog: „Ich hätte mir das ja alles ersparen können, indem ich jünger gestorben wäre, aber dazu war ich immer zu neugierig“.
In diesem Sinne: auf weitere hundert Jahre Zukunft.

© P. Warmann